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Burn-out: Wieso brennen Frauen öfters aus als Männer?

Veröffentlicht am 10 Okt 2022 von Églantine Jamet

Frauen in Führungspositionen riskieren öfter als Männer ein Burn-out, da sie sich aufgrund Erwartungen beweisen wollen.

Zahlen bestätigen diese Aussage und Berichte aus täglichen Situationen bekräftigen es: Frauen in Führungspositionen müssen oft doppelt so hart arbeiten wie Männer, um ihre Legitimität zu beweisen. Die Fehlertoleranz ist deutlich tiefer als bei männlichen Kollegen, da Frauen in Führungspositionen mit Vorurteilen und der Vermutung von Inkompetenz konfrontiert werden. So sind Frauen schneller erschöpft, brennen öfters aus und entscheiden sich teilweise sogar, die Berufswelt zu verlassen.

Diese Feststellung wird durch Studien von McKinsey und der NGO Leanin.org gestützt. Dabei werden jährlich 65’000 Mitarbeitende in 423 US-amerikanischen Unternehmen untersucht, wobei sich zeigt, dass der Anteil von Burn-out-Betroffenen bei Frauen 20% höher ist als bei Männern. Auch in unserem Alltag stellen wir dies häufig fest. Dafür gibt es drei Hauptgründe:

Die Vermutung der Inkompetenz
Wir sind geprägt, dass Macht und Autorität jahrtausendelang fast ausschliesslich von Männern verkörpert wurde. Deshalb verbindet unser Gehirn Kompetenz unbewusst mit dem Bild eines Mannes (meist weiss, zwischen 35 und 55 Jahre alt und gut gekleidet). Diese kognitive Verzerrung bringt einen unsichtbaren Vorteil für Männer mit sich: Sie werden von Beginn als kompetent wahrgenommen und scheinen in der Berufswelt und in Führungspositionen «am richtigen Platz» zu sein. Im Gegensatz dazu sind Frauen noch unterrepräsentiert und profitieren nicht von einer Kompetenzvermutung. Dies basiert auf einem geschichtlichen Kontext, da Frauen lange Zeit nicht in die Berufswelt einstiegen oder in Positionen mit wenig Verantwortung gearbeitet haben. Darauf beruht die noch heute öfters zu hörende Aussage: “Ich habe nichts dagegen, eine Frau einzustellen, …wenn sie kompetent ist.” Ein Satz, den wir in der männlichen Form noch nie gehört haben.

Es kann sehr anstrengend sein, täglich zu beweisen, dass man kompetent ist und es legitim ist, die Position innezuhaben, nicht aufgrund schöner Augen, noch weil es “in” ist, Frauen einzustellen. Zusätzlich besteht der Druck, sich keine Fehler leisten zu dürfen, denn sonst wird die Annahme bestätigt: «Sie ist der Aufgabe nicht gewachsen…»

Der «Wonder Woman»-Mythos
Erschwerend kommt hinzu, dass Frauen oft mit dem Bild der fleissigen und guten Schülerin erzogen werden, die alles perfekt und ohne Aufsehen zu erregen, schaffen muss. In der Schule scheinen die Mädchen braver und ernster als die Jungs sein zu müssen, die Schönheitsnormen gelten eher für Mädchen und ebenfalls die Anforderungen im Haushalt oder das Bild der aufopfernden Mutter oder Frau wird meist unbewusst anerzogen. In sozialen Medien finden sich unzählige Bilder, die zu beweisen scheinen, dass es machbar ist, eine erfolgreiche Geschäftsfrau zu sein und wie ein Topmodel auszusehen, während man gleichzeitig süsse Kinder hat, die selbstgebackene (glutenfreie) Kekse verzehren. Wie kann man sich dem gewachsen fühlen? Frauen, die eine Karriere anstreben, sind in diesen widersprüchlichen Anweisungen gefangen und haben Schuldgefühle, weil sie nie genug tun würden: Sie haben nicht genügend Zeit für geschäftliches Networking, verpassen den Elternabend, zögern eine Beförderung anzunehmen oder kommen abends zu spät nach Hause.

Die mangelnde Sinnhaftigkeit
Braucht es übermenschliche Fähigkeiten oder muss eine Frau aussergewöhnlich sein, um obengenannte Aspekte zu jonglieren. Einige Frauen finden sich in dieser Rolle wieder, werden ausreichend unterstützt oder motiviert, andere fühlen sich ausgelaugt und gefährden ihre körperliche oder geistige Gesundheit. Und wenn der Druck, die Ungerechtigkeit oder der Zynismus des Systems dazu führen, dass man keinen Ausweg im Hamsterrad sieht, steigen andere aus. Céline Alix, eine ehemalige Wirtschaftsanwältin, beschreibt dies in ihrem Buch “Merci mais non merci ” und bringt es auf den Punkt: Wenn die Berufswelt weiterhin auf Normen und einer Organisation basiert, in der sich Frauen nicht wiedererkennen und sich nicht in Ruhe entwickeln können – warum sollte man sich dann zwingen, dort zu bleiben?

Wenn man bedenkt, dass Frauen mehr als die Hälfte der qualifizierten Arbeitskräfte ausmachen, und in einer Krisenzeit, in der die Notwendigkeit von Innovation und Vielfalt der Ansichten eine Frage des unternehmerischen Überlebens ist, ist es höchste Zeit, dass die Unternehmen aktiv werden.

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